Oma Else

Ich erinnnere mich, als wenn es gestern gewesen wäre, an ein Ereignis, welches sich kurz vor meinem 9. Geburtstag zutrug:

Meine Mutter schickte mich oft zum Einkaufen und schrieb mir dazu in ihrer wirklich gestochen scharfen, sehr gut lesbaren Schreibschrift einen Einkaufszettel, der meist sechs oder sieben Positionen enthielt.

Da ich jedoch schon immer ein ehrgeiziges Menschenkind war, versuchte ich stets dieses Einkauszettel auf dem Weg von zuhause bis zum Dorfkaufladen – die Wegstrecke betrug ca. 300m und dauerte etwa 5 min. zu Fuß – auswendig zu lernen, da es mir regelrecht peinlich war ihn einfach abzulesen oder gar der Verkäuferin im Laden übergeben zu müssen.

So auch an diesem bestimmten Morgen.

Ich war so sehr mit dem auswendig lernen beschäftigt, dass ich etwas Entscheidendes übersah: Oma Else!

Oma Else war so etwas, wie die Dorfälteste, man „munkelte“, dass sie stark auf die 80 zu ginge, was für die 60er Jahre ein wirklich stolzes Lebensalter war.

Jedenfalls fühlte ich urplötzlich, daß mein linkes Ohr im wahrsten Sinne des Wortes langgezogen wurde und Oma Else`s Stimme fordernd fragte:

„Na, Werner,

hast Du nicht etwas vergessen!?“

Nach einem kleinen Moment der Verwunderung und den Druck am Ohr fühlend antwortete ich ganz schnell:

„Guten Morgen, Oma Else“

Dieses kleine Erlebnis war mir eine Lehre und hat mich für mein gesamtes, weiteres Leben geprägt.

Danke, Oma Else

© Werner M. Heus

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