Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Mai wird nun bald gekommendie Bäume schlagen aus!,

so besagt es ein altes Sprichwort.

Und bei näherer Betrachtung ist tatsächlich etwas dran an diesem Sprichwort.

In meiner Heimat, dem Rheinland, ist es Brauch, dass sich Jungen und Männer aufmachen, um ihren Freundinnen grüne Zweige oder kleine Bäume als untrüglichen Liebesbeweis vor die Tür zu stellen.
Das sind meist mit bunten Bändern geschmückte Birken .
Birken sind die ersten Bäume, die nach dem Winter Blätter bekommen,
daher gelten sie auch als Symbol für den Frühling.
Und weil Birken in früherer Zeit „Maien“ hießen, wird dieser Liebesbeweis auch „Liebesmaien“ genannt und es entstand daraus dann letztendlich das Wort: Maibaum.
In Süddeutschland, ganz besonders traditionell orientiert sind die Bayern,
werden in vielen Ortschaften Maibäume aufgestellt:
riesige Fichten oder Tannen, die mit vereinter Kraft mitten auf dem Dorfplatz aufgerichtet werden,
wobei häufig sogar die Hilfe eines Krans benötigt wird.
Aber eigentlich sehen Maibäume heutzutage gar nicht mehr aus wie richtige Bäume, denn die unteren Äste werden abgesägt und lediglich die obere Baumspitze bleibt stehen.
Der Stamm wird abgeschält und mit bunten Bändern umwickelt.
Der Maibaum wird in der Nacht zum 1. Mai strengstens bewacht, denn überall lauern „Diebe“, die den Maibaum vom Dorfplatz stibitzen und ihn in ihrer eigenen Ortschaft aufstellen wollen.
Hat der Maibaum diese Nacht überstanden, kann es am nächsten Tag dann endlich so richtig losgehen:
Tanz und ausgelassenes Feiern ist dann Trumpf.
Als ziemlich regelmäßiger Hörer des Radiosenders „Antenne Bayern“ verfolge ich die Geschichten rund um die Maibaum Tradition seit vielen Jahren und im Jahr 2017 war es ganz besonders spannend:
in einer Nacht- und Nebelaktion hat Antenne Bayern den Maibaum der Ortschaft: Zwiesel geklaut.
Einen Tag später wurde dann von ganz pfiffigen Burschen der Ortschaften: Randelsried und Asbach
(Landkreis Dachau) der Zwieseler Maibaum Antenne Bayern wieder abgeluchst.
Die Randelsrieder und Asbacher hatten durch cleveres Verhandeln nun als Auslöse für den Baum die Zusage von Antenne Bayern, dass sie mit einem Bus abgeholt und zur Zwieseler Maifeier gebracht werden und als „Marschverpflegung“ bekamen sie 100 Liter Bier!
Antenne Bayern seinerseits hatte nach Rückerhalt des Baumes der Ortschaft Zwiesel am Montag morgen folgende Auslöseforderungen gestellt, die es bis Freitag morgen, 07:00 Uhr zu erfüllen galt, um den Zwieseler Maibaum, ein 30 Meter langes Prachtexemplar, wieder zurückzubekommen:
Zwiesel muss zum ersten Mal „MAI-Nachten“! feiern und zwar mit Bayerns erstem Christkindlmarkt des Jahres: dem Original Zwieseler Christkindlmarkt.
Bis Freitag um 7 Uhr morgens hatten die Zwieseler Zeit, ihren eigentlichen Weihnachtsmarkt naturgetreu aufzubauen und wenn das klappt, gibt es den Maibaum zurück.
Und obendrauf – die große Antenne Bayern Tanz in den Mai Party.
Hier die Regeln, die Antenne Bayern festgelegt hat, im Detail:

 

Regel 1: Jeder Marktstand muss weihnachtlich betrieben werden.

Regel 2: An jedem Marktstand muss es weihnachtliche Verpflegung geben, sowie Weihnachtsdekoration und Geschenke (weihnachtlich Kulinarisches, Kunsthandwerk und Selbstgemachtes für die Vorweihnachtszeit).

Regel 3: Auf dem Platz gibt es einen geschmückten Christbaum.

Regel 4: Der Bürgemeister muss den Markt am Freitag um 7 Uhr offiziell eröffnen.

Regel 5: Zur Eröffnung muss ein Chor Weihnachtslieder singen.

Ich hatte das Ganze live im Radio verfolgt und mich herrlich amüsiert, fand die Idee der Auslöse königlich und war mir sicher, dass alles so eintreten würde, wie gefordert und so geschah es dann auch.

Wer von Euch aus Eurer Region die Tradition rund um den Maibaum kennt, wird sicher viel Interessantes zu sehen bekommen und wer es nicht kennt, kann im Internet etliche Berichte und Bilder finden.

Viel Spaß wünscht Euch

Werner